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Eine Vatnajökull Solo Transversale auf Island

Eine Vatnajökull Solo Transversale auf Island

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Eine Vatnajökull Solo Transversale auf Island

Wenn der Wind weht
Eine Vatnajökull Solo Transversale auf Island
Von Martin Hülle © (Text und Fotos)
Die Fotos zum Reisebericht finden Sie in unserer Bildergalerie
Prolog
Als das Zelt am frühen Morgen stark eingedrückt wird, hat sich erneut ein Hering durch das Rütteln des Windes gelockert und eine Abspannleine gelöst. Ich schäle mich aus dem Schlafsack, streife mir schnell noch eine Jacke über und krabbele rasch aus dem Zelt. Dort haut mich der Wind fast um. Viel stärker als befürchtet zerrt der orkanartige Sturm an den Verankerungen des Zeltes. Auch das noch. In der Nacht hatte ich mir einen beschaulichen Morgen am See Langisjór erträumt. Doch daraus wird nun nichts. Alles passiert rasend schnell. Mit aller Kraft versuche ich das Zelt zu halten und die Leinen neu zu fixieren. Aber es gelingt mir nicht. Die Böen sind zu stark. Im Laufschritt suche ich hektisch nach ein paar großen Steinen, um damit die Heringe im lockeren Boden zu beschweren. Mit einem dicken Brocken unter dem Arm wende ich mich wieder dem Zelt zu, um entsetzt zu sehen, wie der Sturm in das offene Zelt fährt, es aufbläht und weitere Verankerungen aus dem Boden reißt. Das Zelt dreht sich auf den Rücken. Nur noch das Gewicht der darin liegenden Ausrüstung bewahrt es davor, davongetragen zu werden. Für einen kurzen Moment gerät die Situation außer Kontrolle. Einige meiner Sachen liegen nun ungeschützt herum. Sofort erfasst sie der Sturm und reißt sie davon. Ich lasse den Stein auf den Boden plumpsen und stürze auf das Zelt zu. Aus den Augenwinkeln sehe ich den silbernen Windschutz des Kochers durch die Luft fliegen. Ich habe Angst um das Zelt. Meinen wichtigsten Schutz darf ich nicht verlieren. Hastig suche ich nach einer schützenden Lösung ...

Der Anmarsch

Während der Fahrt zum Ausgangspunkt Snafellsskáli, einer kleinen Hütte des isländischen Wandervereins, zu Füßen des Berges Snafell, bin ich angespannt. Vor allem das Wetter macht mir Sorgen. Das Gletscherplateau des Vatnajökull steht in dem Ruf mit unberechenbaren Stürmen und Schneefall auch im Sommer aufzuwarten. Doch als ich von Tanni Travel an der Hütte abgesetzt werde, lugt ein wenig die Sonne zwischen dunklen Wolken hervor. Ich nehme es als gutes Omen und baue mein Zelt unweit des kleinen Gebäudes auf. Ich bin allein. Nur der Regen kommt und bleibt bis in die späten Abendstunden. In der Zwischenzeit ist auch der Hüttenwart von einer Tageswanderung zurückgekehrt. Ein junger Kerl, der zwischen Abitur und Studium hier eine oft einsame Auszeit nimmt. Mit der Hilfe von Mathematikaufgaben überbrückt er die Zeit, wenn ihn keine Gäste auf Trab halten. Die Schilderung meiner Pläne ist eine willkommene Abwechslung, und gerne würde er wohl mitkommen. Aber am nächsten Morgen breche ich alleine mit dem ersten Teil meiner Ausrüstung gen Nordrand des Vatnajökull auf. Die gut 55 kg Ausrüstung kann ich nicht auf einen Schlag tragen. Daher errichte ich schon nach nur knapp zwei Stunden erneut mein Zelt an einem Bach, laufe geschwind zur Hütte zurück und hole den Rest nach, den ich dort in einem wasserdichten Sack deponiert hatte. Dabei verwandeln Wolken und Regen die Landschaft weiterhin in eine graue Unfreundlichkeit, die in starkem Kontrast zu dem warmen Tee steht, welchen der Hüttenwart mir vor meinem endgültigen Aufbruch noch liebevoll serviert.

Obwohl der Luftdruck steigt, ist das Wetter am kommenden Tag noch trübsinniger. In der Nacht gab es Neuschnee auf den Bergen. Es ist nass und kalt. Flocken mischen sich in die teils kräftigen Schauern. Dennoch bringe ich wieder meine drei Portagen hinter mich, verlasse die letzte Hochlandpiste, quere einen kleinen Fluss und stolpere mit den Skischuhen über grobe Steine dem Eisrand entgegen. Aber von Europas größtem Gletscher ist kaum etwas zu sehen. Inmitten einer kahlen Gerölllandschaft warte ich auf Besserung. Als sich am Abend dann hellere Stellen am Himmel zeigen und der Vatnajökull nur noch einen Katzensprung entfernt scheint, macht sich Zuversicht breit. Doch noch gibt es viele offene Fragen. Wo liegt die Firnlinie, ab der ich meinen kleinen Schlitten ziehen kann? Wie werde ich auf dem Gletscher vorankommen? Und das Wetter! Wie wird es sich weiter entwickeln?

Aufstieg auf das Eis
Am späten Morgen kommt endlich die Sonne hervor, und plötzlich erstrahlt alles unter einem blauen Himmel. Der Aufstieg auf den Vatnajökull liegt vor mir. Ich lasse das Zelt zurück und transportiere die erste Sackladung zum Eisrand. Aber dort versperrt mir ein trüber Ausfluss des Gletschers den direkten Übergang auf das Eis. Ein Stück flussaufwärts sieht es besser aus, dort wo das dreckige Eis direkt mit einigen Felsen zusammen trifft. Problemlos wechsele ich an dieser Stelle auf den Gletscher über, der nach einem kurzen steileren Stück bald abflacht und sich in ewiger Weite ausbreitet. An Schmelzwasserbächen entlang steige ich soweit auf, bis sich der schwarze Schmutz zwischen zunehmend weißer Schnee- und Eiskruste verliert, und ab wo ich den Schlitten ziehen können müsste. Den voll gepackten roten Sack deponiere ich dort, in der Hoffnung ihn gut wieder zu finden, und laufe mit leerem Rucksack retour zum Zelt. Als ich erneut mit dem Rest der Ausrüstung den Vatnajökull betrete, lasse ich endgültig den sicheren Boden hinter mir. Von nun an liegen 8300 qkm Eis vor mir. Eine kaum fassbare Größe. Glücklicherweise finde ich den Sack sofort wieder. Ich schnalle ihn auf einen kleinen roten Plastik-Kinderbob, den ich von nun an, zusätzlich zu meinem Rucksack, hinter mir her ziehe. Ich bin froh, dass die Hin- und Herlauferei ein Ende hat, und es von nun an nur noch vorwärts geht. Eine Stunde steige ich noch ohne Ski weiterhin zwischen nassen Stellen, Bächen und schwarzen Flecken leicht ansteigend auf, bevor ich mit den langen Latten an den Füßen auf besserem Schnee schneller an Höhe gewinne. Eine kleine Spaltenzone fordert noch Umsicht, dann treffe ich auf größere Bereiche sauberen Schnees, wo ich mein Zelt aufschlage. Die Aussicht ist phantastisch. Nach Norden habe ich einen Rundblick von den Kverkfjöll Bergen, über den Tafelvulkan Herthubreith bis zum Snafell.

Im Sturm
Über Nacht kommt stärkerer Wind auf, der zu Beginn des Tages zu einem höllischen Sturm anwächst. An einen Weitermarsch ist nicht zu denken. Untätig bleibe ich im Schlafsack liegen. Mit unglaublicher Gewalt fegt der Sturm über mein kleines Zelt hinweg und rüttelt und schüttelt es. Die Lautstärke ist ohrenbetäubend. Regen und Schnee prasseln unaufhörlich darauf ein und ich habe das Gefühl als würde mit einem Hochdruckreiniger darauf gespritzt. Mit zunehmender Besorgnis beobachte ich, wie sich der nasse Schneeregen schwer auf dem Fußende des Zeltes ablagert und es mehr und mehr eindrückt. Am frühen Nachmittag habe ich keine andere Wahl mehr. Ich muss hinaus in den Sturm und das Zelt freischaufeln, bevor es unter der Last Schaden nimmt. Der Schnee trifft mich wie tausend Nadelstiche ins Gesicht. Triefend nass verkrieche ich mich nach der Räumaktion schnellstmöglich wieder in meiner Schutz spendenden Behausung. Von innen versuche ich immer wieder mit den Füßen den sich außen anhäufenden Schnee vom Zelt zu stoßen. Ich finde keine Ruhe. Um meine Blase zu entleeren, pinkele ich in den Kochtopf. Später zwinge ich mich ein wenig zu lesen, bevor ich am Abend nochmals zum Schaufeln raus muss. Dort kratze ich auch noch ein wenig sauberen Schnee zum Kochen zusammen. Der Sturm fegt alles weg. Nur dreckiges Eis bleibt. Die nassen Gore-Tex Klamotten stopfe ich in eine Ecke. Nach dem Essen und einem heißen Tee verkrieche ich mich wieder in den Schlafsack - gefesselt von dem Sturm. Doch dann bleibt der Niederschlag unerwartet aus. Auch der Wind schwächt ab. Ermüdet von der Anspannung versuche ich zu schlafen.

Über den Gletscher
Als ich am nächsten Tag um kurz nach 6 Uhr aufstehe, ist der Spuk vorbei. Ein leichter Windhauch ist von dem Sturm übrig geblieben. Der Schnee ist nass und stumpf. Dennoch komme ich gut voran. Alle 45 Minuten mache ich eine kurze Pause und kontrolliere meine Position und den Kurs mit dem GPS-Gerät. Mit Hilfe des Kompasses und anhand der Sonne kann ich mich problemlos auf dem immer weitläufigeren Gletscherplateau orientieren. Über die leicht gewellte Schneelandschaft ziehe ich meine Spur, die sich zurückblickend rasch in der braun-grauen Oberfläche verliert. Noch im vergangen November spuckte der Vulkan Grimsvötn Asche, die sich vor allem im Nordosten des Vatnajökull ablagerte. Ein paar weitere Spaltenzonen muss ich nordwestlich von Breithabunga vorsichtig im Zickzack umgehen. Tiefe, breite Risse flößen mir Respekt ein. Aber bei der guten Sicht, die meinen Blick immer wieder zu den markanten Bergen nördlich des Vatnajökull schweifen lässt, ist das kein Problem. Am Abend taucht die Sonne den Gletscher in ein oranges Licht. Eine seltene, wunderschöne Stimmung.
In tieferem, weichem Schnee komme ich anderntags nur mühsam in Tritt. Zudem ist der Gletscher übersät von kleinen Kuhlen, die mich zu einem steten hin und her zwingen, um die tiefsten Stellen zu umgehen. Ich reihe Etappe an Etappe - von Pause zu Pause. Der Sonne entgegen, die nur kurz von etwas Nieselregen verhüllt wird, erreiche ich Northlingalagth fast auf der Mitte des Vatnajökull. Später wärmt die Sonne das Zelt unter einem blauen Himmel, und ich kann meine nass geschwitzten Füße trocknen. Bei den leichten Plusgraden sind die Skischuhe viel zu warm.
In der Nacht erneuter Regen. Zwar hört er am Morgen rasch wieder auf, aber die Wolken bleiben, hinter der sich die Sonne bald völlig versteckt. Die Orientierung wird schwieriger, und ich muss häufiger meinen Kurs korrigieren. Doch am frühen Nachmittag hebt sich die Wolkendecke und gibt den Blick zu meinem Zwischenziel Grimsfjall frei. Aber auch nach Süden, zu den Bergen oberhalb von Skaftafell, ist der Ausblick grandios. Dorthin erstreckt sich ein weitläufiges Gletscherbecken, an dessen Horizont sich kleine Felsgipfel abzeichnen.

Grimsvötn
Plötzlich treffe ich auf die Spuren eines Super-Jeep. Und schon bald kann ich ihn erkennen, wie er sich einem dicken Käfer gleich durch den Schnee wühlt. Er ist auf dem Rückweg vom Vulkan Grimsvötn. Ein Touristenausflug. Da dies auch meine Richtung ist, habe ich von nun an eine ausgeprägte Spur, der ich folgen kann. Nach der bislang kältesten Nacht mit leichtem Frost, nähere ich mich darauf dann auch zügig dem Bergkamm Grimsfjall am Rande des Vulkankessels. Noch bevor ich den letzten steilen Anstieg in Angriff nehme, kommt mir ein weiterer Monster-Jeep mit einigen Wissenschaftlern entgegen, von denen momentan noch mehr in dieser Region unterwegs sind. Ihren Stützpunkt haben sie in kleinen Hütten auf dem östlichen Schwedengipfel, dem höchsten Grimsfjall Punkt. Mühsam steige ich dorthin auf und überrasche zwei Frauen, die für einige Tage die Hütten in Schuss halten und die Wissenschaftler versorgen. Sofort werde ich hereingebeten und mit gebratenen Würstchen, Kaffee und Kuchen versorgt. Auch ein Schlafplatz wäre noch frei, den ich dankend annehme. Die Szenerie ist so eindrucksvoll und spektakulär, dass ich sie in Ruhe genießen möchte. Über mehrere Kilometer dehnt sich der Vulkan Grimsvötn aus, in dessen Caldera sich ein mit Schnee bedeckter See befindet. Zuletzt war diese hochaktive vulkanische Region 1996 Schauplatz eines dramatischen Ausbruchs, dem ein gewaltiger Schmelzwasserlauf unter dem Eis folgte. Aber nun ist alles ruhig, bis auf das anschwellende Motorengeräusch eines kleinen Flugzeuges, welches weitere Lebensmittel für die Wissenschaftler in der Nähe der Hütten abwirft. Ich sammele die verstreuten Pakete auf und transportiere sie mit meinem Schlitten zu den Hütten. So kann ich mich ein wenig für die Gastfreundschaft revanchieren. Am Abend sitzen wir noch lange zusammen. Eine schöne Abwechslung.

Abstieg im Eischaos
Anderntags lasse ich die Hütten hinter mir zurück, und nach dem Aufstieg zum Pass zwischen Grimsfjall und Háabunga beginnt mein Abstieg vom Vatnajökull. Das Gletscherpanorama wird dabei immer beeindruckender. Ringsum erstreckt sich die weiße Weite, am Horizont nur ein paar Felsgipfel. Mit der Sonne im Gesicht laufe ich fast in einen Rausch. Bevor der Schnee nassem Sumpf und hartem Eis weicht, baue ich letztmalig auf dem Gletscher mein Zelt auf. Der Tungnaárjökull liegt nun vor mir, über den ich in eisfreie Regionen gelangen will.
Doch der Vatnajökull will mich nicht so leicht gehen lassen. Es beginnt mit grobem Eis, von Rissen durchzogen. Gefolgt von Gletschersumpf, manchmal nass und grundlos. Bis tiefere Querrinnen auftauchen, ist ein zügiges Gleiten mit den Skiern zwischen zahllosen Bächen noch möglich. Als es noch unebener wird, muss ich die Skier ablegen und zu Fuß weiter laufen. Regen kommt auf, die Sicht reduziert sich auf ein Minimum. Auf einmal wird das Gelände immer zerrissener. Der Schlitten kippt zwischen den Buckeln laufend um. Es wird schwer, die korrekte Richtung zu halten. Und bevor ich es richtig wahrnehme, stehe ich auf schmalen Eisrücken zwischen tiefen Rissen und Spalten. Ich fühle mich gefangen. Wolken hüllen mich ein. Ein zermürbendes Hin und Her beginnt. Ich springe über Abgründe und zerre den Schlitten brutal hinter mir her. Pausen werden unwichtig. Ich will nur noch runter vom Eis. Aber noch sind es viele Kilometer. GPS und Kompass weisen mir den Weg durch das Eischaos. Kleine Buckel, Verwerfungen, Risse, Bäche, Strudellöcher. Immer wieder verhakt der Schlitten. Es geht abwärts. Das Eis wird glatter, blank gespült vom Regen. Einmal falle ich hin. Ich rappele mich wieder auf und laufe vorsichtig weiter. Die Wolkendecke hebt sich. Ich kann eisfreies Land sehen. Noch ein Stück, dann stehe ich am Rand eines Gletschersees. Aber dessen Ausfluss kann ich nicht queren. Noch einmal muss ich zurück auf das Eis und hinüber laufen zur Wasserscheide zwischen den Flüssen Skaftá und Tungnaá. Einen matschigen Geröllhang hinauf schleife ich meine Ausrüstung auf trockenen Boden. Rastlos blicke ich über die Landschaft. Ein Freudenschrei, dann kommen heftige Tränen. Ich habe es geschafft. Ein harter Tag liegt hinter mir. Und der Vatnajökull. Im Zelt komme ich langsam zur Ruhe. Meine Empfindungen sind so zerrissen wie das überwundene Gelände.

Das Zelt fliegt weg
Eingehüllt in Regen, stürmischen Wind und tief hängende Wolken verbringe ich einen Ruhetag im Zelt. Zum Kochen muss dunkelbraunes Gletscherwasser herhalten. Ab und an kann ich auf die Tungnaá-Ebene blicken. Trotz düsterer Stimmung fasziniert mich die Landschaft, durch die ich am folgenden Tag bis zum See Langisjór laufe. Nachdem die heftigen Regenschauer abgeklungen sind, schultere ich den nun schwer beladenen Rucksack. Aber auch den Schlitten ziehe ich nun leichter beladen über Geröll und Moos weiter rabiat hinter mir her - bis zu einer Landzunge am See, einer traumhaft schönen Stelle, eingebettet zwischen sandigen, schwarzen Höhenzügen, dem Gletscher und grünen Moosbergen. Bei ein paar Sonnenstrahlen hole ich am See frisches Wasser und denke mit Freude an den kommenden Morgen. Alle Schwierigkeiten scheinen vorbei zu sein.
Doch an diesem Morgen reißt der Orkan die Verankerungen des Zeltes aus dem Boden. Alles passiert rasend schnell. Ich kann es gerade noch halten. Es ist unmöglich, das Zelt an dieser Stelle nochmals aufzubauen. Daher schleife ich es hinter mir her in den Windschatten der Landzunge. Ich beschwere es mit Steinen und sammele im Laufschritt meine verstreute Ausrüstung ein. Zum Glück finde ich alles wieder. Geschockt entleere ich das Zelt und packe meine Sachen zusammen. Ohne Frühstück breche ich auf. Von nun an kann ich einer Piste folgen, die sich durch die Tungnaárfjöll Berge zieht. Aber die Anstiege mit dem schweren Gepäck sind Kraft raubend. Dazu der Wind und bald wieder Regen. Der Tag wird zur Hölle. Sand wird aufgewirbelt, die Piste zieht sich immer weiter in die Höhe. Endlos. Mit der Ungewissheit im Kopf, wo ich mein Zelt sicher aufstellen kann, kämpfe ich mich weiter voran. In der Gipfelregion des Breithbakur ist Gehen kaum mehr möglich. Der orkanartige Sturm drängt mich von der Piste. Wo pausieren? Wo Schutz finden? Endlich geht es wieder abwärts. Die Piste schwenkt hinab in ein dunkles Tal. Felswände tauchen auf. Ich haste die Hänge hinab in eine geschützte Ecke. Nur noch Wind. Kein Sturm mehr. Als das Zelt steht, sehe ich die Schäden vom frühen Morgen. Ein verbogenes Gestänge und mehrere Risse und Löcher im Außenzelt und im Boden. Aber erstmal bin ich in Sicherheit. Nur der Regen hält an und nagt weiter an meiner Psyche.

Zum Endpunkt

Noch drei Tage brauche ich bis zur Hochlandpiste F208. Das Wetter bleibt wechselhaft. Regen, Sonne, Nebel. Immerhin legt sich der Sturm. In der sandigen Wüstenlandschaft lässt sich der mittlerweile kaputte Schlitten kaum mehr ziehen. Fast die komplette Ausrüstung wandert nun in den Rucksack. Trotz aller überstandenen Schwierigkeiten liege ich gut in der Zeit und kann die Tour mit kurzen Tagesetappen ausklingen lassen. Noch einmal zelte ich am anderen Ende des Sees Langisjór, wo sich in der Ferne zum letzten Mal der Vatnajökull zeigt. Am sechzehnten Tag bin ich schließlich am Endpunkt, einer Weggabelung inmitten des Hochlands. Morgen wird hier ein Bus vorbeikommen, mit dem ich nach Landmannalaugar fahren werde.

Epilog
Die letzten Nächte habe ich schlecht geschlafen. Immer in der Sorge, Sturm könnte aufkommen und das Zelt wegreißen. Aber nun liege ich in einer heißen Quelle und blinzele in die Sonne. Das warme Wasser wirkt entspannend. Ich denke zurück an die berauschende Weite des Gletscherplateaus. Und an die Wetterkapriolen. Ich habe sie überstanden. In einem ganz normalen isländischen Sommer.

Route

Snafellskáli – Maríutungur – nordwestlich Breithabunga – Northlingalagth – Grimsfjall – Tungnaárjökull – Langisjór – Tungnaárfjöll – Hochlandpiste F235 – Hochlandpiste F208
(etwa 225 km)

Nützliche Links für Ihre Islandreise
www.icetourist.de (allgemeine Islandinformationen)
www.icelandair.de (Flüge nach Island)
www.re.is (Reykjavik Excursions – Überlandbusse)
www.tannitravel.is (u.a. Transfer zur Hütte Snafellsskáli)

Weitere Interessante Infos gibt es unter
www.martin-huelle.de


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