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Der Jemen

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Jemen
Gedanken an eine Trekkingreise auf Sokrota und dem Festland von

von Norbert Lercher

Warum ich mir Jemen als Fluchtstätte vor dem letzten Weihnachtsfest und den Jahreswechsel ausgesucht habe, weiß ich nicht mehr so genau. Jedenfalls buchte ich bei Hauser-exkursionen diese Reise und zusammenfassend komme ich zum Ergebnis, ich habe diesen Entschluss nicht bereut.

jemen2Jemen ist ein schönes und geschichtsträchtiges Land am südlichen Rand der arabischen Halbinsel, begrenzt von Saudi Arabien, dem Oman, dem Roten Meer, dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean. Zum Jemen gehören auch die Inseln vor Somalia, dem Horn von Afrika. Die größte dieser Inseln ist Sokotra oder auch Soqotra. Um die wichtigsten Fragen zum Jemen vorweg zu beantworten: Im Jemen wohnen nicht nur potentielle Entführer, Mörder oder sonstige Kriminelle. Auch wenn auf dem Festland der männliche Bevölkerungsanteil, egal ob jung oder alt, fast ausnahmslos ihre Kalaschnikow mit sich führen, so wie wir unsere Socken tragen, findet man hier, erst recht auf Sokotra, fast ausnahmslos nur nette und freundliche Menschen, die, respektiert man ihre Sitten und religiösen Gebräuche, uns Deutschen eigentlich sehr wohlgesonnen und entgegenkommend und, das erwähne ich mit besonderem Nachdruck, touristisch eigentlich noch nicht verdorben sind. Besucht man vorurteilsfrei dieses Land und gibt sich seiner Schönheit hin, wird man nicht nur erholt die Heimreise antreten sondern auch seinen kulturellen und biologischen Intellekt erweitert haben. Jedenfalls erging es mir so. Daran hatte allerdings auch unser Reiseleiter Peter einen erheblichen Anteil.

Wenn man in den Jemen fährt, darf man natürlich nicht alles mit westeuropäischen Standards vergleichen. Das trifft z. B. auf die Qualität der Hotels zu, die unter dem Niveau der Jugendherbergsstandards in Rheinland-Pfalz liegen. Aber das störte uns eigentlich nicht sonderlich. Auch sollte man an der Grenze sämtliche straßenverkehrsrechtlichen und sonstigen Zulassungsvorschriften vergessen. Die Fahrzeuge bewegen sich trotzdem sicher und vielfach akrobatisch durch das Verkehrsgewirr, oftmals in Millimetergenauigkeit. Ich hatte schnell den Eindruck gewonnen, dass durch entsprechende Hupsignale Vakuumbereiche geschaffen werden, die ein Berühren der Autos verhindern. Natürlich sind die Fahrer, insbesondere unsere Jungs auf der Insel, allesamt Fahrkünstler im Gelände. Dabei kamen mir als Autofreund oftmals fast die Tränen, wie die Autos durch manch eigentlich unbefahrbares Gelände gequält wurden, selbst an Stellen, wo kein Normalfahrer auch nur annähernd auf die Idee gekommen wäre, an so mancher Stelle die Durchfahrt zu versuchen. Wenn man bei dem Glauben an Reinkarnation Materie einschließen würde, wünschte ich mir nicht, als Auto auf Sokotra wiedergeboren zu werden. Das wäre noch ein viel härteres Los als z. B. die Wiedergeburt als niederes Lebewesen.

Der einzige Wermutstropfen oder noch schlimmer ausgedrückt, der einzige krasse Negativeindruck von Jemen und Sokotra ist die wilde Abfallentsorgung. Wenn es so etwas wie die Erfinder von wildem Abfall geben würde, man müsste die Jemeniten an erster Stelle nennen. Egal wo man hinkommt, dort wo auch nur wenige Menschen siedeln, ist die Landschaft oder die entsprechende Siedlung übersät mit Müll. Die Menschen wohnen dort vielfach auf wilden Müllkippen. Man gewinnt schnell den Eindruck, der gesamte Jemen und die Insel Sokotra ist eine einzige Müllhalde. Und übel daran ist, man gewöhnt sich schnell daran. Irgendwann sitzt man zwischen dieser oftmals unappetitlichen Zivilisationskrankheit und isst gedankenlos sein Mittagessen. In Sana’a hat jetzt der Bürgermeister die ersten Schritte zur Sauberkeit der Innenstadt eingeleitet. Bleibt zu hoffen, dass das Land übergreifend Schule macht. Aber das war wirklich der einzige Negativpunkt aus meiner Sicht von der Reise. Selbst das erzwungene Alkoholverbot auf der Reise empfand ich, bekennender Freund von Rotwein und Kölsch, nicht sonderlich als störend. Ab und an trat der Wunsch nach kühlen Getränken auf, der dann auch in dem einen oder anderen Dorf in Form von Cola oder Fruchtgetränken gestillt werden konnte. Auch der Heißhunger nach Süßem von der eine oder anderen Dame unserer Gruppe, ich denke da an Anne, Martina und Imke, konnte so befriedigt werden.

hochhaeuserDie Tour begann in Frankfurt/Main-Airport. Mit Yemenia ging es mit einem Zwischenstopp in Rom nach Sana’a. Ziemlich übermüdet kamen wir nachts im „Arabia Felix“ an. Die Ausruhphase war allerdings sehr kurz, denn um 3 Uhr hieß es wieder aufstehen, um 5 Uhr ging unser Flieger zur Insel Sokotra. Aber vor dem Abflug war erst einmal Muskelkraft angesagt. Neben unserem Gepäck musste die überwiegende Verpflegung für unser Trekking zunächst in einen Kleinbus und vom Bus zum Einchecken ins Flughafengebäude gebracht werden. So ekamen wir einen ersten Eindruck auf unsere künftigen Menüs, wie Reis, Kartoffeln, Thunfisch, Obst usw. So nebenbei erfuhren wir, dass die Insel weitgehend versorgungsgemäß vom Festland abhängig ist. Na ja, um es vorweg zu sagen, das Essen auf der Insel war einfach klasse. Unsere Fahrer-Köche waren sehr einfallsreich und überraschten uns hin und wieder auch mit frischem Fisch und frisch geschlachteten Lämmern. Ich erinnere mich insbesondere gerne an die preisverdächtige Lammsuppe, dessen Rezept ich gerne erfahren hätte. So gesehen war es auch eine kulinarische Exkursion. Wir haben uns in diesen Tagen oft gefragt, wie diese Burschen mit den primitiven Küchenutensilien und bei Taschenlampenbeleuchtung uns immer etwas Schmackhaftes hervorzaubern konnten. Beeindruckt hat mich besonders, dass z. B. der Reis nicht nur besonders gut und aromatisch schmeckte, sondern auch überhaupt nicht klebte oder pappte. Das gelingt mir Hobbykoch noch nicht einmal in meiner gut ausgestatteten Einbauküche immer. So gesehen hätten unsere Outdoorköche zumindest einen Michelin-Stern verdient gehabt. Aber eigentlich nicht nur für diese Leistung. An dieser Stelle ist es mir ein Bedürfnis auch das fahrerische Können der Mannschaft, Ihre ausgesprochene Hilfsbereitschaft und ihre Freundlichkeit uns gegenüber besonders hervorzuheben, ehe ich das im Laufe meiner weiteren euphorischen Gedankenspiele über die Insel vergesse.

Natürlich, was in den Flieger eingecheckt wird, muss auch entsprechend wieder in Empfang genommen und in die bereitgestellten Jeeps verstaut werden. Der Flughafen auf der Insel erinnert an eine kleine Lagerhalle. Entsprechend war auch die Abfertigung bei der Bagage-Ausgabe. Ich gebe zu, im Urlaub möchte man das Wort Chaos vermeiden..................aber hier kommt man um dieses Wort nicht herum. Aber wie durch Geisterhand gesteuert hatten wir irgendwann unsere gesamte Ausrüstung einschließlich Verpflegungspakete wieder in unserem Besitz und die Fahrt konnte losgehen. Das war die Stunde als unser Urlaub endlich begann. Ich möchte mich im weiteren Verlauf dieser Aufzeichnung nicht auf Details beziehen oder im Einzelnen jeden unserer Schritte beschreiben und was wir wo gemacht oder erlebt haben. Auch verzichte ich größtenteils auf die Namen von Orten, Stränden usw. Ich denke, das würde den Rahmen meiner Ausführungen sprengen und dem Leser kaum etwas sagen. Aus diesem Grunde umschreibe ich in meinem weiteren Bericht lediglich einen Gesamteindruck von Land und Leute, wobei ich selbstverständlich auf die Erwähnung einzelner Höhepunkte nicht verzichten möchte.

Wer sich übe Details zur Insel informieren möchte, hat die Gelegenheit, sich im Internet unter http://de.wikipedia.org/wiki/Sokotra,  http://www.derjemen.de/index2.php zu informieren. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, verzichte ich deshalb auf kopierte oder übernommene Daten.

flaschenbaumDie Insel Sokotra hat mich aus vielerlei Sicht fasziniert. Ich betrachtete die Insel aus unserem ersten Camp am Strand von Sagla und sah die ersten Felsen und die ersten interessanten Pflanzen und ahnte schon die Symbiose einer Meerlandschaft mit dem trockenen Inlandklima. Dabei fiel mir auch schon schnell die mir völlig unbekannte Fauna auf, die sich dann im weiteren Verlauf unseres Aufenthaltes in eine Art „Aha“-Erlebnis steigern sollte. Ich denke da vor allem an die Drachenblutbäume, die Gurken- und Flaschenbäume und die vielen mehr oder weniger großen Pflanzen, die uns nicht nur Schatten spendeten sondern auch immer wieder mit Früchten und sonstigen Pflanzenteilen überraschten, die zur persönlichen Nutzung dienten. So denke ich z. B. an die Wurzeln, die man zum Zähneputzen nutzen kann. Bei diesen Gedanken erinnere ich mich an die glänzend weißen Zähne der Einheimischen, ganz im Gegenteil zu den oftmals zu beobachtenden mit braunen Flecken bedeckten Zähnen der Jemeniten auf dem Festland. Und mir persönlich halfen mehrmals abgebrochene Zweige eines Baumes zur Blutstillung verschiedener Blessuren, die ich hin und wieder davongetragen habe. Dann waren da noch die Miniäpfel, die sehr mehlig schmeckten, und die Weintrauben, die an Bäumen wachsen. Ich bin zu wenig Botaniker, um mich hier weiter über die Fauna der Insel auszulassen. Aber ich erfreute mich an manch einer Blüte, die ich auf unseren Wanderungen sah, zu einer Zeit, da auf Sokotra Winter war. Na ja, Winter????????? Bei Temperaturen oftmals jenseits der 30 °-Grenze kommt einem das Wort nur sehr schwer über die Lippen.

Von Peter erfuhren wir, dass es auf der Insel über 90 endemische Pflanzen geben soll. Sollte diese Zahl nicht stimmen, bitte ich um Nachsicht. Ich schreibe dies alles aus dem Gedächtnis heraus auf, nachdem ich schon einige wenige Tage wieder im trüben Deutschland an meinem Laptop hocke und die wunderbare Reise an mir Revue passieren lasse. Unser Programm war eigentlich sehr gestrafft und doch hatten wir auch noch einige Zeitfenster, die wir für uns selbst hatten. Im Großen und Ganzen war die Tour aber so organisiert, dass der Tagesablauf im Gruppenverband erfolgte. Das mag sich im trockenen Sprachgebrauch abschreckend lesen, war es aber nicht. Zum einen muss ich gestehen, mag ich eigentlich keine Herdenviehmentalität und somit war ich bisher auch nicht unbedingt ein Freund von Gruppenreisen, zum anderen lasse ich mir auch nicht gerne etwas vorschreiben. Aber das war hier irgendwie anders. Ich hatte nie den Eindruck, gegängelt zu werden. Und dann war da eine harmonische Gruppe, die sich rein zufällig aus Personen aus den unterschiedlichsten Landschaften, wie die Schweiz, Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und mich als Kölner Exot zusammensetzte. Dazu ein Reiseleiter aus Salzburg. Nun gut, auch wenn der eine oder andere an meinem Dialekt etwas zu mäkeln hatte, verstanden wir uns doch eigentlich recht gut. Jedenfalls gab es keine unschönen Szenen, an die ich mich erinnern könnte. Das ist offensichtlich nicht immer so selbstverständlich. Jedenfalls hat uns unser Reiseleiter im Nachhinein als nette Gruppe klassifiziert. Auch wenn ich anfangs mal schwächelte, war die Gruppe auch in der Bewältigung der anstehenden Anforderungen durchaus auf gleichem Niveau.

Ich muss gestehen, nach einem Gesundheits-Check bei meinem Doc. und auf Grund meiner Kondition hatte ich eigentlich nicht mit irgendwelchen Problemen gerechnet. Doch am ersten Tag des Aufstieges zur Tropfsteinhöhle hatte ich wohl doch mit der hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen. Nun ja, Annes fürsorgliche Worte und nach einer längeren Pause holte ich die Gruppe noch so rechtzeitig vor der Höhle ein, so dass ich gemeinsam mit der Gruppe die Höhle besichtigen konnte. Nun sind Tropfsteinhöhlen an und für sich nicht gerade etwas Neues. In unserer Nachbarschaft, d. h. im Sauerland kennt man derartige Höhlen auch, aber diese Höhle hatte doch einen etwas anderen Charakter. Kannte ich bisher die Höhlen meist nur mit engen Durchgängen und sich dann aufweitenden sogenannten Dome, bestach diese Höhle nicht nur mit ihren feinen Konturen sondern vor allem durch ihre horizontalen wie auch vertikalen Ausdehnungen. Dass wir dann nach dem Besuch der Höhle im Abstieg zum Camp einige Schwierigkeiten hatten, den Aufstiegsweg wieder zu finden, zeigt, dass wir uns auf der Insel meist im weglosen und urwaldähnlichem Gelände befanden. Mohamed, unser Guide, war denn auch in der Wegefindung nicht immer so sicher. Das war wohl auch der Grund, warum wir im weiteren Verlauf unseres Trekkings Einheimische vor Ort als Führer zur Seite hatten. Hierbei handelte es sich um junge Männer, die teilweise mit Badelatschen vor uns die Berge rauf und runterliefen, dabei lediglich eine Flasche Wasser und ein Kopftuch in der Hand. Es mag wohl manchmal komisch ausgesehen haben, dass wir in unseren mehr oder weiniger schweren Trekkingschuhen, mit Rucksack und Wanderstöcken ausgestattet, hinter diesen Leichtfüßlern herstapften, aber ich denke, wir haben gut daran getan, es ihnen nicht gleich zu tun. So gesehen hatten wir keinen Fall von Beinbruch oder Stauchungen auf unseren Touren zu beklagen.

Wenn wir unser Lager am Strand hatten, war es ein besonderer Genuss, die Tour mit einem Bad im Indischen Ozean zu krönen. Ich empfand das Wasser als nicht so salzig wie z. B. in der Nordsee und angenehm in der Temperatur. Und wenn man bedenkt, dies alles zu einer Zeit, wo zu Hause die Kinder aufs Christkind warteten. Hätte Anne nicht ihre Weihnachtsmannmütze aufgezogen und drei Weihnachtskerzen angezündet, wer von uns hätte an Heiligabend gedacht? Während unseres Aufenthaltes auf Sokotra wanderten wir durch verschiedene Wadis (episodisch wasserführende Flussbette in Trockengebiete), überquerten Hochplateaus und kämpften uns durch urwaldähnliche Gebiete. Dabei war es von Bedeutung, dass wir unseren Wasserhaushalt genügend ausglichen. Dass wir unterwegs keinen Durst erlitten, dafür war gesorgt. Wie ich auch erwähnen muss, dass es uns eigentlich an nichts mangelte. Das Timing während der jeweiligen Streckenabschnitte war bemerkenswert gut. Es gab keinen Streckenabschnitt, der eine Übersäuerung des Körpers befürchten ließ. Auch hierfür Kompliment an die Leitung dieser Tour.

Aus meiner Sicht hatte ich an einigen wenigen Passagen meine Bedenken an die bergsteigerischen Fähigkeiten der jeweiligen Führer. Es war für mich nicht nachvollziehbar, dass man nicht ganz trittsichere Personen durch Rinnen schickt, die mit Schotter gefüllt waren, nur weil die Fallrinnen einen vermeintlichen Weg vorgaben, wenn daneben Felsplatten ein einwandfreies Gehen ermöglichten. Aber es ist zum Glück ja nichts passiert, und ich habe da wohl etwas zu kritisch hingeschaut. Ansonsten waren die Wege allesamt mühsam aber auch spannend und abwechslungsreich. Zwischendurch hatten wir an zwei Stellen sogar das Vergnügen, in kleinen Seen ein erfrischendes Bad zu nehmen. Diese Gelegenheit nahm unser Tourenleiter Peter dann auch wahr, um auf Krebsjagd zu gehen und uns die schönen Exemplare für ein Foto zu zeigen. Wie überhaupt die gesamte Tour durch umfangreiches Fotografieren von fast allen Teilnehmern zur Nachbearbeitung zu Hause festgehalten wurde. Mir geht es dann immer so, dass ich die Reise so noch einmal im Geiste erlebe. So gesehen profitiere ich durch die Bilder noch einmal von diesem Erlebnis.

jemen3Zum Abschluss meiner Gedanken an Sokotra denke ich noch einmal an die lieben Menschen zurück, vor allem an die Kinder, die uns überall herzlichst und offenbar glücklich zuwinkten, die anders als auf dem Festland weder sonderlich aufdringlich sind und (noch) nicht der nervigen Bettelei nachgehen. Was mir dann noch wichtig ist zu erwähnen, ist das mehr als lächerlich wirkende Militärpotential auf Sokotra. Dort stehen in Küstennähe in Sand eingegrabene Panzer als Küstenschutz, die den Eindruck eines jeweiligen Schrotthaufens machen. Aber sie geben ein gutes Fotomotiv ab, insbesondere dann, wenn man das Glück hat, dass sich ein Soldat dann im Turm noch militärisch präsentiert. Martina und ich hatten das Vergnügen, so etwas zu erleben und im Bild zu dokumentieren. Dann sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Sokotra über Strände und Lagunen verfügt, die einen Hauch von Karibik und Bacadi-Reklame vermitteln, lange weiße und fast menschenleere Strände. Da kann man von Glück reden, dass Sokotra nicht Teil der Balearen ist. Nicht auszudenken, wie schnell dort eine Art Ballermannatmosphäre die Idylle „versauen“ würde.

Ein kleines Highlight in diesem Zusammenhang war aus meiner Sicht die Fahrt mit den Fischerbooten von dem Fischerdorf Qalansia entlang der Westküste bis zur Bucht von Neet, oder so. Jedenfalls war die Hinfahrt noch recht nett bei mäßigem Seegang, wenn auch an unserem Boot anfangs hin und wieder der Außenborder seinen Geist aufgab. Aber die einheimischen Fischer sind wohl auch gute Mechaniker, auf alle Fälle schafften wir dann nicht nur die Hin- sondern auch die Rückfahrt unbeschadet. Auf der Hinfahrt wurden wieder an einem Fischerboot Thunfische und ein Barsch geordert, die dann in der Glut eines runtergebrannten Feuers frisch und schmackhaft zubereitet wurden. Das Schwimmen an diesem Strand war einfach himmlisch. Allerdings je nach Windverhältnisse trübte der schöne Eindruck ein süßlicher Gestank von gestrandeten und entsprechend verwesten Delphinen die Atmosphäre. Die Rückfahrt mit diesen kleinen Fischerbooten hat wohl nicht jedem gefallen. Die Wellen waren jetzt höher und die Boote schaukelten doch recht nett hin und her, rauf und runter. Ich fand die Fahrt klasse, weil ich derartige Wellenspiele liebe. Ich kenne das vom Wildwasserfahren und vom Segeln her. Und dann hatte ich natürlich großes Vertrauen zu den Fischern, die dieses Gewässer bestimmt sehr gut kennen und ihre Boote beherrschen. Unterwegs hatten wir noch das Glück, einige Delphine zu sehen.

Zurück zu unserem Camp in der Lagune, es war Silvester, erfreute ich mich abends in meinem Zelt am Gesang der Italiener, die sich mit einer kleinen Gruppe ebenfalls dort eingefunden hatten. Ich empfand es als nette Abwechslung und als eine Art Ersatz für das sonst übliche Feuerwerk an so einem Abend. Der Neujahrstag kam und beim Frühstück brachte mir die Gruppe zum Geburtstag ein Ständchen. Ich war sehr gerührt. Ich konnte mich dafür am Abend im Restaurant in Hadibou mit einer Runde alkoholfreiem Becks-Bier revanchieren. Und so nahmen wir dann Abschied von dieser von mir zwischenzeitlich recht liebgewonnenen Insel. Ich gebe zu, ich bin nicht gerne zurück aufs Festland geflogen. Aber so eine gebuchte Reise hat ihre eigenen Gesetze. Auch der Abschied von unserer liebgewonnenen Mannschaft tat mir etwas weh. Denn die Jungs hatte ich irgendwie als Kumpels gewonnen, auch wenn wir uns nur in einer Art Gebärdensprache unterhalten haben. Verstanden haben wir uns aber immer...........na ja, fast. Und einmal musste ich mit ihnen dieses widerliche Qat kauen. Mir ist davon eher flau geworden, als dass das Zeug mich in irgend einer Form stimuliert hätte. Mit diesem Grünzeug im Mund sehen die Jemeniter aus als hätten sie Zahnschmerzen. Worüber sich Gerhild immer wieder besonders amüsierte.

Was wir an dieser Mannschaft hatten, wurde uns zudem noch mehr bewusst, als wir die neue Mannschaft auf dem Festland mit der Zeit kennen lernten. Der Unterschied konnte kaum krasser ausfallen. Hier die Mannschaft, die sich um uns kümmerte und immer für uns da war, dort die, die mehr mit sich selbst und mit ihren spätpubertären Problemen beschäftigt war. Dies wurde besonders im Fahrstil sehr deutlich. Aber im Großen und Ganzen konnten wir auch mit dieser Mannschaft letztlich zufrieden sein. Wir hatten keinen Unfall und jeder von uns kam heil ans Ziel.

Wenn man von Mukalla aus ins Landesinnere fährt, erlebt man ein völlig anderes Jemen. Nicht nur der Unterschied in der Landschaft, auch bei den Menschen ist der Bogen der Differenzierung so weit auseinander, wie die Insel vom Festland entfernt ist. Während wir auf der Insel noch die Beschaulichkeit genossen haben, herrscht auf dem Festland Hektik, Lärm und in den Orten chaotisches Verkehrsverhalten vor. Das heißt nicht, dass das Festland nicht auch seine landschaftlichen und städtebaulichen Reize hat.

Ich muss gestehen, dass ich im Traum nicht dran gedacht habe, dass ich auf dieser Tour mal frieren würde. Aber in der ersten Nacht auf dem Hochplateau des Djol wusste ich, warum Hauser uns die Mitnahme eines wärmenden Schlafsackes empfohlen hatte. Das bis dahin mehr als Ballast mitgeführte Utensil kam jetzt endlich mal zur Geltung. Trotzdem, meine Nase war in dieser Nacht ganz schön kalt. Morgens erfuhr ich dann von Roland, dass es in der Nacht so bei 3 Grad gewesen sein muss. Aber bevor wir unsere Zelte aufschlugen, fuhren wir über das einer Mondlandschaft ähnelnde Plateau zu einem Steilabbruch des Djols, wo uns ein beeindruckender Tiefblick in ein langgezogenes Wadi auftat, mit einer Landschaft aus Palmen und Orten bestehend aus traditionellen Hochhäuser gleichen Gebäuden in Lehmbauweise, die in ihrer Struktur und Farbgestaltung wohl einmalig auf der Welt sind. Jedenfalls sind mir ähnliche Konstruktionen bisher noch nie vorgekommen. Ich muss gestehen, ich war überwältigt von diesem Anblick. Ich glaube, den anderen Gruppenmitgliedern ging es ähnlich. Anne zeigte dies auch äußerlich, indem sie Mohamed vor Rührung um den Hals fiel.

Nachdem ich mich durch die Nacht gezittert hatte, fieberte ich dem Morgen entgegen, der uns dann auch wieder die wärmende Sonne bescherte. Auf die Sonne war während unseres Urlaubs auf jeden Fall Verlass. Während unseres Aufenthalts im Jemen hat es überhaupt keinen Tropfen Regen gegeben und auf Sokotra mal nachts so etwas wie einige Tropfen. Jedenfalls soweit ich mich daran überhaupt erinnern kann.

Der Tag stand dann im Zeichen der Besichtigung des zuvor vom Hochplateau aus besichtigten Wadi. Ich muss sagen, was von oben noch so beeindruckend aussah, relativierte sich bei der näheren Betrachtung. Klar, die architektonische und statischen Leistung dieser städtebaulichen Herausforderung hat mich sehr beeindruckt. Aber man sah auch den Verfall der Lehmbauten, zudem trübte auch hier der wilde Abfall in den Gassen den Gesamteindruck erheblich. Wir saßen denn auch vor einem sogenannten Restaurant inmitten von Abfall und aßen Hähnchen mit Reis. Komisch eigentlich, an den Müll hatten wir uns offensichtlich schon so gewöhnt, dass er unser westeuropäisches Hygieneverständnis schon überhaupt nicht mehr berührte. Ich spielte denn auch mit einigen Kids in den Gassen inmitten dieses Abfalls Fußball, ich in meinen Bergstiefeln, die Kids barfuss. Es wurde bereits dunkel als wir in dem Wadi unsere Zelte auf irgendeinem Acker aufschlugen. Um 5 Uhr wurde ich von einem durch Mark und Bein gehenden Gesang eines Muezzin vom Minarett einer naheliegenden Moschee geweckt. Jetzt ist das so, dass auch im Jemen die Aufrufe zum Gebet mittels Lautsprecheranlagen erfolgen. Und in diesem Tal hallte dieser Aufruf vielfach wider, so dass das ganze schon sehr bedrohlich auf einen Nichtmuslimen wirkte, insbesondere dann, wenn, wie im meinem Falle, man am Abend vorher noch in einem Buch über Dämonen gelesen hat. Auf alle Fälle bewirkt diese Art des Weckens, dass man bestimmt nicht mehr einschläft. Übrigens, in Sana’a hatten wir das Vergnügen, bereits um 4 Uhr entsprechend munter gemacht zu werden.

Der Tag war ausgefüllt mit Besichtigungen von Shibam und Seyun, wo wir auch im Hotel übernachteten. Dort freute ich mich auf ein Bad des im Innenhof liegenden Swimmingpools. So schön gestaltet die Anlage dort auch war, so kalt war das Wasser. Als bekennender Warmduscher schaffte ich es über die Leiter ins Wasser bis zur Lende, dann verließ mich der Mut. Auch die Wiederholung des Vorgangs ließ mich erschaudern. Etwas enttäuscht und mutlos verließ ich diese garstige Stätte und vergnügte mich dann ersatzweise an dem abwechslungsreichen Essen im Restaurant. Und dann erinnere ich mich noch an die masochistische Ankündigung unseres Reiseleiters, dass für uns um 3 Uhr die Nacht vorüber sei und wir eine lange Fahrt durch die Wüste bis nach Sana’a vor uns hätten. Wir waren ja eine folgsame Truppe und pünktlich um 4 Uhr konnte die Fahrt losgehen.

Ich muss gestehen, ab und an verfolgen mich Mordgedanken. So auch an diesem Morgen. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt tauchten diese so langsam auf, denn aus dem Autoradio drang der penetrante Singsang einer, zugegebenen netten, Damenstimme. Auf die Bitte, etwas wohlklingendere Musik einzulegen, entgegnete unser Fahrer lediglich: Koran. Gegen dieses Argument waren wir machtlos. Um 6 Uhr wurden wir dann endlich von dieser an Gehirnwäsche erinnernden Tortour erlöst. Pünktlich um 5 Uhr hielt unsere Kolonne vor einer Moschee und unsere Fahrer verschwanden für einen längeren Zeitraum in dieser, Stichwort: Morgengebet. Während der Weiterfahrt begleiteten uns nun 3 mit Kalaschnikow, womit sonst, bewaffneten Beduinen in einem Pikup.

Die Fahrt über die mehr als 600 km langen Piste durch die Wüste war ein Erlebnis. Ich war vor einigen Jahren einmal am Rande der Sahara unterwegs gewesen. Ansonsten kannte ich den Abwechslungsreichtum einer Wüste bisher nur aus dem Fernsehen. Jetzt bekam ich die Schönheit der Wüste hautnah mit. Es war einfach toll. Anfangs störten die m. E. alle ca. 10 km voneinander entfernten Kontrollposten die harmonische Fahrt noch etwas. Aber im Laufe des Tages wurde auch das eine amüsante Routine. Später wurden wir von einem schwer bewaffneten Militär- oder Polizeikonvoi begleitet.

Unterwegs besuchten wir alte Steine...........uff, das wäre jetzt aber doch eine etwas zu schäbige Darstellung der Dinge. Nein, Peter führte uns zu verschiedenen alten Tempelanlagen und zu einem Staudamm, alles Zeugen Sabäer Baukunst, ca. 800 Jahre v. Ch. Nach ca. 13 Stunden waren wir dann um einiges an Kulturwissen reicher wieder im „Arabia Felix“ in Sana’a.

jemen1 Ich hatte vorne angekündigt, nicht so sehr ins Detail zu verfallen. Ich hoffe, ich habe mich halbwegs daran gehalten. Aber wenn man so verfährt, bleiben natürlich viele Erlebnisse und Anecktoden unerwähnt. Aber die Aufenthalte in verschiedenen Restaurants unterwegs zur Mittagszeit sind es wert erwähnt zu werden. Das lief in der Regel stets nach dem gleichen Ritual ab. Wir fuhren mit den Jeeps vor irgendein Haus, das sich dann als Restaurant entpuppte, stiegen aus und drängten in einen völlig überfüllten Raum mit laut gestikulierten Einheimischen. Keine Aussicht auf einen Sitzplatz. Der erste Eindruck ließ einen erschauern. Die Tische übersäht mit Reis und meist Hähnchenabfälle. Daneben das bekannt leckere Fladenbrot und die Kalaschnikov. Am Tisch schnell essende Jemeniten, natürlich nur Männer mit vor Fett triefenden Händen. Mir war es dann stets peinlich, dass diese Leute von irgend welchen Tischen verjagt wurden, damit wir Platz bekamen. Die Tische wurden vom üblichen Speisemüll befreit, wie auch immer, und zusammengeschoben, so dass wir alle dort Platz nehmen konnten. Dann bekamen wir Zeitungen oder Plastikmeterware als Tischdeckenersatz auf den Tisch und das Essen wurde uns in wenigen Minuten schon serviert. Wir haben uns immer wieder gefragt, wo die so schnell die Hähnchenteile für uns herzauberten. Die Antwort ist mir bis heute schuldig geblieben. Das war auch nicht so wichtig, jedenfalls hat es uns geschmeckt. Beim Bier, natürlich alkoholfrei, erlebten wir in dem Restaurant den Totalausverkauf, so dass Nachschub aus der Nachbarschaft geordert werden musste. In so manchem Restaurant konnte man denn auch einen Blick in die Küche oder in den Bereich werfen, wo die Speisen zubereitet wurden. Ich war dann doch überrascht, wie sauber es dort zuging. Ich glaube, das hätte sogar Gerhild gefallen, die in Punkte Hygiene ihre eigene Philosophie vertrat und überall lieber mit ihrem eigenen mitgebrachten Besteck aß.

Das Kapitel Restaurantbesuch ist nicht vollständig, wenn man nicht die tollen Karrenrad große dünnen und sehr schmackhaften Fladenbrote erwähnt, eine Meisterleistung der Backkunst. Sie wurden uns serviert, in dem sie einfach auf irgend eine Stelle des Tisches gelegt, das ist jetzt etwas dezent ausgedrückt, wurden. Man bedient sich diesen Brotes, indem man sich ein Stück im wahrsten Sinne des Wortes herausreißt. Das Essen in den Restaurants endete in der Regel damit, dass uns zum Nachtisch kleine Bananen gereicht wurden. Das war dann der Zeitpunkt, wo sich unsere Blicke auf Anne aus Thüringen richtete und so manche Banane an ihren Platz weitergeschoben wurde. Warum nur? Aber sie nahm es mit Humor. Und so verließen wir meist lachend und gut genährt das jeweilige Restaurant.

Der letzte Tag stand ganz im Zeichen von Besichtigungen. Da war zunächst mal der Felsenpalast, ein imposantes Bauwerk aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts, erbaut vom damaligen Iman. Und am Nachmittag waren wir im Suq unterwegs. Neben den vielen Verkaufsständen war es lustig mit anzusehen, wie sich die Massen Menschen an den kleinen Verkaufsständen vorbeischoben, wie die Ware feilgeboten wurden und wie die Handwerker noch richtig handwerklich ihre Waren produzierten. Dann hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mit den Damen unserer Gruppe die Straße der Kleider zu betreten. Anne hatte sich unbedingt in den Kopf gesetzt, ein langes buntes Kleid zu kaufen. So schlenderte ich dann mit Anne, Gerhild und Martina von Stand zu Stand. Ein nervlicher Vorgang wie im richtigen Leben. Natürlich fand sich kein Kleid, wäre ja auch sonst ein Wunder gewesen. Punkt 5 war Treffen mit dem Rest der Gruppe angesagt, und just in diesem Augenblick geschah das Wunder doch noch. Ein passendes Kleid, das natürlich hier und da gekürzt und abgenäht werden muss, wurde gefunden. Der Preis war gewaltig, 1500 Rial, der sich im Wege der Verhandlung auf 1.400 Rial reduzieren ließ. Für Nichtkenner der jemenitischen Szene, das sind knapp 7 Euro. So gesehen, ist wenigstens eine Person glücklich und zufrieden Richtung Hotel gezogen. Ich erwarb für ca. 7 US-Dollar einen Janbia, einen Krummdolch, der allerdings bei den Jemeniter ein Kleidungsstück denn eine Waffe ist.

Der Abend wurde mit einer Dusche und einem Abendessen abgerundet, bevor es dann zum Airport ging um die Heimreise anzutreten. Pünktlich um 7 Uhr landeten wir dann in Frankfurt. Ein toller Urlaub war zu Ende. Nach einer kleinen Erfrischung schlenderte ich zum Fernbahnhof. Der Zug nach Siegburg fährt exakt 39 Minuten. Nach einer Abschiedsprozedur stand ich dann am Bahnsteig 6, der Zug sollte in wenigen Minuten kommen. Dann kam die Durchsage, der Zug hat 40 Minuten Verspätung, es wurde ein 42-minütiges Warten in klirrender Kälte. Da erst wurde mir so richtig bewusst: Deutsche Bahn AG, ich war wieder in Deutschland. In der Ausschreibung hatte Hauser geschrieben, man müsste in Jemen mit Verspätungen rechnen. Wäre normal. Dort war aber alles pünktlich................aber Jemen gibt es wohl nur in Deutschland.

Bleibt zu resümieren: Jemen und vor allem Sokotra ist eine Reise wert. Jedenfalls habe ich diese Reise nicht nur genossen, ich habe sie unvergesslich erlebt.
Ich beende meine Ausführungen mit einem Dank an Peter, Mohamed, die Mannschaften vor Ort für die tolle Betreuung, Beratung usw.

Bleibt mir nur noch zu sagen: Tschüss, ich werde euch alle und Jemen bestimmt nicht vergessen.                                                                          nach oben

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Kommentare  

 
+1 #1 flussbett 2013-02-17 18:07
Hallo Norbert,

mit großer Spannung habe ich deinen Bericht gelesen und bin ganz neugierig geworden! Der Jemen liegt auch ganz oben auf meiner Reisewunschlist e - allerdings möchte ich erst mal abwarten, wie sich die Lage im Magreb und im Nahen Osten die nächsten zwei drei Jahre entwickelt.

Danke jedenfalls für deine persönlichen Einblicke!

LG

Flussbett
 

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